Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt

5.11. - 17.11.2018


Der ursprüngliche Plan war mich in wenigen Tagen auf den Weg Richtung Strand zu machen, um dort auf meine liebe Freundin Mary zu treffen, die für 3 Wochen nach Bali kommt. Nach der langen Zeit freu ich mich auf vertraute Gespräche, alte Geschichten und viele tolle gemeinsame Erlebnisse. Da es mir aber inzwischen sooooo gut in Ubud gefällt, kann ich sie überreden erstmal dorthin zu kommen und wir machen uns dann in ein paar Tagen erst auf den Weg an den Strand. 

Endlich ist Mary da! Unglaublich, wie schnell dann doch die Zeit vergeht. Inzwischen bin ich schon 2 Monate und ein paar Tage unterwegs. Nach so vielen Bekanntschaften freu ich mich riesig, eine vertraute Person um mich zu haben. Auch wenn mir bewusst ist, dass ich mich dadurch etwas einschränken muss, weil zu zweit reisen natürlich immer eine Art Kompromiss ist, freu ich mich natürlich riesig drauf. Und ganz klar sind die Prioritäten bei 3 Wochen Urlaub nun mal etwas andere. Bei mir ist es inzwischen so, dass ich es umso schöner und aufregender finde, je weniger touristisch und desto mehr Basic es ist. Ich hab richtig Spaß dran bekommen, mich aus meiner Komfortzone zu schubsen. Und doch, weiß ich, dass ich das nicht so einfach von Mary verlangen kann. Und da Indonesien so unfassbar groß ist und es so viele Inseln und unterschiedlichste Regionen zu bereisen gibt, fällt die Entscheidung wirklich schwer, was wir gemeinsam in den 3 Wochen machen möchten. Die ersten gemeinsamen Nächte verbringen Mary und ich nun erstmal in Ubud. 


Am nächsten Tag mietet sich auch Mary einen Roller und wir fahren zu den Tegalalang Reisterrassen. Wir essen in einem der Restaurants mit Blick auf die Terrassen zu Mittag und laufen dann durch das intensive Grün der Reisterrassen. Aber der Himmel ist bedeckt, es sieht nach Regen aus. Und nicht nur am Eingang bezahlt man Eintritt, alle paar Meter sitzt wieder ein Balinese, der erneut um eine Spende bettelt, sonst darf man nicht weiter gehen. Alles perfekt prepariert für Touris, hier ne Schaukeln mit balinesischen Animateuren, dort ein Herz und weitere Fotospots für das perfekte Instagram-Foto. Ich finde die Natur dort wunderschön, aber das Drumherum macht mir schlechte Laune. Außerhalb der Touristen-Attraktionen gefällt mir Bali wesentlich besser. 


Auf dem Weg zurück zum Roller fängt es an zu tröpfeln. Nachdem wir 3 Min. gefahren sind, den Ort noch gar nicht verlassen hatten, fing es an in Strömen zu regnen. Die Fahrtzeit beträgt 1 Std. 20 Minuten. Wir fahren weiter, wir müssen ja irgendwie nach Hause kommen. Irgendwann, nach etwa einer Stunde, halten wir dann doch an, um uns unterzustellen, da wir inzwischen völlig durchnässt sind in der Hoffnung, dass es gleich etwas weniger wird. Nur leider haben wir nicht damit gerechnet, dass der Regen nur noch stärker wird und inzwischen auch die Straßen überflutet sind. Teilweise fließen ganze Sturzbäche auf die Straße. Es sind lt. Navi nur noch 20 Minuten Fahrtzeit von unserem Unterstand aus und damit wir nicht auch noch im Dunkeln nach Hause fahren müssen, fahren wir weiter. Mein Körper völlig in Anspannung, komplett durchnässt, der Regen prasselt nur so runter - quasi ein Once-in-a-Lifetime-Feeling. 😉 Teilweise sieht man nur noch Wasser auf der Straße, aber nicht mehr wie die Straße beschaffen ist. Ganz dankbar lassen wir Autos und andere Roller überholen, damit wir annähernd eine Ahnung haben, welche Straßenverhältnisse sich unter all dem Wasser befinden. Stop and Go macht bei so einer Fahrt besonders viel Spaß. Immer schön mit den Turnis in die Pfützen rein, also komplett, so bis zum Knöchel. Naja, nass sind sie ja eh schon. 😄 

Wir kommen heil und völlig durchnässt im Hostel an. Erstmal eine heiße Dusche! Wäre schön gewesen... Hab die falsche Dusche erwischt, die mit nur kaltem Wasser. Egal, hab die letzten Wochen kalt geduscht, dann wird’s mich heute auch nicht umbringen. Umso mehr freu mich auf warme und trockene Klamotten und einen warmen Tee. Fazit: Tag 1 war schon mehr als aufregend! 

Am nächsten Nachmittag fahren wir zu den Pyramids of Chi zum Sound Healing. Zu Beginn werden wir über die Geschichte des Ortes informiert, auch über die Faszination von Pyramiden im Allgemeinen, die überall auf der Erde in fast identischer Form auftauchen, zu Zeiten, zu denen sie definitiv nicht vom gleichen Architekten erbaut worden sein konnten. 😉 Theorien gibt es viele, wie diese Ähnlichkeit sein kann, aber sicher ist man sich wohl bis heute nicht. Das Sound Healing findet in einer von 2 dafür gebauten quasi modernen Pyramiden statt. Der Raum ist voller Matratzen, die auf dem Boden liegen. In der Mitte des Raumes hängen Gongs und weitere Instrumente, deren Namen ich nicht kenne. Diese sollen uns in eine tiefe Entspannung leiten, die Schwingungen haben Auswirkungen auf den Energie-Fluss im Körper und auf unsere 7 Chakren. Manche Menschen können emotional drauf reagieren, auch Tränen können fließen, weil sich eventuell Blockaden im Körper lösen. Manche schlafen aber auch einfach ein. Andere wiederum erreichen eine Art Trance, das sogenannte Theta. Ich freu mich riesig auf diese Erfahrung.   


Wir legen uns auf die Matratzen, bekommen eine Maske für die Augen, können uns zudecken, es uns gemütlich machen. Die Instrumente klingen einfach wunderschön, die Schwingungen gehen durch den ganzen Körper. Und schon hab ich die Zeit verloren. Die Stimme, die uns durch die Klangheilung begleitet höre ich nur im Hintergrund. Es fühlt sich großartig an, ob ich einnicke oder ob es einfach die tiefe Entspannung ist, weiß ich nicht. Doch meine Finger fühlen sich an als wären sie angespannt, fast so als würden sie krampfen, als würde ich etwas festhalten. Es fühlt sich seltsam an, ich muss sie kurz bewegen um festzustellen, dass sie ganz entspannt neben mir liegen. Zweimal zuckt mein rechter Arm so stark, dass ich selbst erschrecke. Dann lausche ich wieder den Klängen und döse dahin. Danach sind Mary und ich richtig müde und erschöpft und wollen gar nicht so recht wieder aufstehen. Viel trinken, heißt es jetzt, denn die Schwingungen bewirken wohl einiges im Körper und mit Wasser kann dies unterstützt werden. 

Auf dem Rückweg machen wir im Café Pomegranate mit wunderschönem Ausblick auf die Reisfelder halt, wenige Schritte vom Zentrum Ubuds entfernt. Von den Pyramiden kommend ist die Straße dorthin ein schmaler Fußweg, mal geteert, mal mit Platten, mal aber auch einfach nur eine Spur zwischen den Feldern. Links der Abgrund oder ein kleiner Wasserlauf, rechts von uns Reisfelder oder auch ein Wasserlauf. Na Halleluja. So lernt man Roller fahren! 🙂 Wir schlängeln uns langsam durch die Felder und an den entgegenkommenden Rollern vorbei. Diese Fahrt ist mindestens genauso abenteuerlich wie im Regen durch überflutete Straßen zu fahren. Auch Tag 2 mit Mary werde ich lange in Erinnerung behalten. 😄 


Am nächsten Tag muss ich mit verschnupfter Nase und Halskratzen für einen Visa-Run nach Kuala Lumpur fliegen.  Ich werde die Zeit nutzen um viel zu lesen und auch für den Blog zu schreiben. Ich komme noch am gleichen Tag in der Nacht zurück nach Ubud. Mary kann solange am Pool die Sonne genießen. 

Der Tag ist unglaublich lang, aber bis zur Ankunft in Denpasar hat alles ganz wunderbar geklappt. Gegen Mitternacht, nach mehr als 10 Stunden on the road werde ich von der nicht ganz so höflichen Immigration-Dame ungefähr 5x gefragt, ob ich ein Business auf Bali hätte. Auch, dass ich ein Ticket nach Hanoi habe, interessiert sie nicht. Sie geht davon aus, dass ich das regelmäßig mache und was ist inzwischen nicht mehr erlaubt ist. Egal, was ich ihr erzähle, und wie charmant ich auch versuche zu sein, sie bleibt hartnäckig. Irgendwann macht sie ein schnalzendes Geräusch mit ihrer Zunge, gibt mir den Stempel für weitere 30 Tage visafrei und lässt mich ziehen. 1,5 Stunden später bin ich dann endlich wieder zurück im Hostel. Früh morgens frühstücken wir noch gemütlich und fahren dann zusammen mit Ilona nach Canggu. Ich bin müde und angeschlagen, aber bin voller Vorfreude auf Strand und Meer. 

Die gewünschte Unterkunft, das Serenity Eco Guesthouse, ist leider nicht mehr frei. Scheint beliebter zu sein, als gedacht. Und zufällig treffen wir im Restaurant dort auch noch Goran und Co, die wir aus unserem Hostel in Ubud kennen. Die beiden haben noch ein Zimmer bzw. ein Bett dort bekommen. Wir ziehen erstmal gegenüber in das 808 Residence ein, welches noch nicht ganz fertig ist, aber bezahlbar. Irgendwie hatte ich mich schon daran gewöhnt in Hostels zu schlafen und fand es eigentlich ganz gut., was ich vor meiner Reise niemals für möglich gehalten hatte. Wenn man alleine reist, will man vielleicht nicht auch noch abends alleine in seinem Zimmer sitzen und - auch wenn man sich nicht immer mit den Bettnachbarn unterhält - freut man sich über Geräusche, die Anwesenheit der anderen. Jetzt, mit Mary zusammen, ist das 808 meine erste Unterkunft mit eigenem Doppelzimmer, und eigenem Bad seit ca 1,5 Monaten. Charme hatte das Hotel nicht, aber das Zimmer ist ganz hübsch und wir sind in der Nähe der anderen und in der Nähe vom Strand. So schön, Leute immer wieder zu treffen und sich zu verabreden. Fast wie zuhause. 😉 Ich kann sehr gut verstehen, dass man in Canggu hängen bleiben kann, oder zumindest immer wieder kommen möchte. Am nächsten Morgen gehen wir um 10 Uhr zu unserer ersten Yoga-Stunde, Chakra Flow mit Yogi, ich freu mich mega drauf. Und da die Yoga-Ausbildung bevorsteht, wird ab sofort erst recht regelmäßig Yoga gemacht. Im Serenity Eco Guesthouse werden ca. 7 verschiedene Yoga-Stunden pro Tag angeboten. Eine tolle Gelegenheit, um sich durch die verschiedensten Stile zu probieren. Ich kauf mir direkt eine 5er Karte, ein bisschen Motivation schadet ja nicht. Und eine Ausrede findet sich an nem Ort wie Canggu natürlich immer schnell. Die Yoga-Stunde ist so toll aufgebaut, ich bin richtig begeistert. Und der Yoga-Lehrer strahlt so viel Yogi-Gefühl aus. Herrlich! Ich freu mich schon riesig auf die nächste. 2 Tage später dann ziehen wir um in den Yoga „Tempel". Das Resort ist 100 % Öko, vegan, komplett auf Yoga ausgerichtet und unser Zimmer ist ein Tanzpalast, so groß, dass wir hier unsere eigenen Yogastunden hätten anbieten können. Auch Arial Yoga probieren Mary und ich aus, was unheimlich Spaß macht. 


Wer schon mal in Canggu war, kennt das Old Man’s. Da muss man einfach gewesen sein, heißt es. Natürlich verabreden wir uns mit den anderen dort an einem Abend. Und immer wenn Mary und ich unterwegs sind, passiert etwas lustiges, wir lernen spannende Leute kennen, tanzen und haben Spaß. Aber feiern steht bei mir gerade irgendwie nicht auf der Bedürfnisliste, ich fühl mich komplett fehl am Platz. Es passt überhaupt nicht mit der Intention meiner Reise zusammen. Aber einen Abend werde ich mir doch mal erlauben dürfen, zu feiern, wie zuhause… ?! Ich mag das doch…!?!? Nö, ich bin wohl wirklich in einer komplett anderen Welt unterwegs, Alkohol vernebelt mir meine Sinne und ich kann mich so gar nicht darauf einstellen. Ich brauch das gerade nicht. Ich möchte es irgendwie auch nicht. Ein bisschen fühl ich mich als Spaßverderber, kann aber nicht aus meiner Haut. 

Ich hab mich wohl mehr verändert, in der Zwischenzeit, als ich selbst realisiert habe. Kaum sehen Mary und ich uns wieder - Mary, die mich manchmal besser kennt als ich mich selbst, spüre ich, dass irgendwas nicht mehr stimmt. Oder anders gesagt, nicht mehr so ist wie vorher. Wir brauchen tatsächlich ein paar Tage, bis wir wieder so richtig auf einer Wellenlänge schwimmen, bis es wieder rund ist. 


Zum Sonnenuntergang treffen wir uns meistens mit Ilonka bei den „Beachboys" am Strand, trinken ne Kokosnuss und schauen den Surfern in den Wellen zu. Auch das stand auf meiner Liste. Ich möchte Surfen ausprobieren. Ich möchte es wirklich. Aber ich steh mir wieder selbst im Weg. Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich mich getraut habe. Manno, mach ich immer einen Affentanz. Ich muss immer erstmal beobachten, so viel wie möglich drüber wissen und erzählt bekommen, dass ich ein Gefühl dafür bekomme. Und irgendwann bin ich dann von meiner Übervorsicht genervt. Aber hey, ich hab’s ausprobiert. 


Dylan erklärt mir die Basics, geht mit mir raus aufs Wasser. Er sagt mir, was ich tun muss, schiebt mich in die Wellen. Beim ersten Mal klappt es auch gleich ganz gut. Bei den nächsten bin ich entweder zu langsam und die Welle ist schon abgeflacht oder jemand ist mir im Weg und ich muss mich ins Wasser fallen lassen. Nach einer Stunde brennen meine Arme vom Paddeln und so richtig kommt die Begeisterung nicht bei mir an. Ich bin super happy, dass ich’s ausprobiert hab, aber der Kombination aus Warten auf die Welle und dann paddeln wie ne Irre und hektisch aufspringen… und verpasst… und wieder warten… kann ich irgendwie nichts abgewinnen. Ist es einfach nicht der richtige „Sport“ für mich? Oder komm ich irgendwann nochmal zurück zum Surfen und darf auch dieses Freiheitsgefühl auf dem Wasser erleben?! Wer weiß!? Aber für heute ist Schluss und ich weiß, dass ich für’s Surfen kein zusätzliches Budget einplanen muss. 


Die nächsten Tage verbringen wir am Pool, am Strand, düsen mit dem Roller zu einem der Restaurants oder gehen zum Yoga. Der Gedanke an meine Yoga-Ausbildung im Februar gefällt mir immer besser. Es fühlt sich einfach soooo richtig und gut an. 

Aber auch Canggu müssen wir irgendwann zurücklassen, um noch weitere Ecken Balis kennenzulernen und um auch noch Nusa Penida und Lembongan zu schaffen, bevor Mary wieder zurück nach Hause fliegen muss (So der Plan…). Unfassbar wie schnell die Zeit doch rennt. Einerseits möchte ich gerne die Zeit anhalten, andererseits freu ich mich natürlich auch, in 3 Wochen meinen Lieblingsmenschen wieder zu sehen und mit Jörg 5 Wochen zusammen durch Vietnam & Kambodscha zu reisen (auch das war zumindest der Plan). ;-) Zum Abschluss haben wir noch einen schönen Abend im Beachclub in wunderschöner Atmosphäre, bevor wir uns auf den Weg nach Uluwatu machen. 



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